Neugier, Scham und ein intolerables Biest, das sich als Unschuld entpuppt

Neugier, Scham und ein intolerables Biest, das sich als Unschuld entpuppt

Diese Woche saß ich mit einer Klientin zusammen und war tief berührt von dem, was sie mir erzählte. Ihr Name war Nina. Während sie sprach, bemerkte ich ein Leuchten in ihren Augen. Es war dieses gewisse Funkeln, das Menschen haben, die tief mit ihrem Herzen verbunden sind.

Sie war eine der wenigen Glücklichen, die aus Neugier und Interesse studieren ging. Medizin war das Fach ihrer Wahl. Mit einem Wissensdurst, den der Regelstundenplan nicht stillen konnte, hüpfte sie von Vorlesung zu Vorlesung. Wie ein hungriges Tier verschlang sie alles über Anatomie, das menschliche Herz und was es zum Schlagen bringt.

Doch nachdem sie einige Monate Hörsaal und Mensa mit ihren mit ihren Kommilitonen geteilt hatte, stellte sich ein dumpfes Gefühl in ihrer Brust ein. Sie war enttäuscht. Während sie Vorlesungen besuchte, weil sie dafür brannte und sogar bereit war über das Soll hinaus zu gehen, saßen ihre neuen Bekannten ihre Pflichtsemesterstunden ab, um Scheine zu ergattern und Prüfungen zu bestehen.

In der Mensa teilten ihre Mitstreiter zwischen Spätzle und Salatbeilage stolz, was ihre Eltern Ihnen mitgegeben hatten. Darunter waren Tipps, wie man effizient und schnell durch das Studium kommt, welche Felder auf dem absteigenden Ast waren und was sich finanziell in Zukunft lohnen würde. Schließlich sagte eine ihrer Kommilitoninnen, mit der sie sich angefreundet hatte: „so wie du es angehst, wirst du es nie schaffen“.

Während Nina mir davon erzählte, trübte sich ihr Blick und das Leuchten verschwand aus ihren Augen. Sie verstand nicht, warum ihre neue Freundin so hart gegen ihre Neugier schoss. Schließlich teilten sie doch dieselbe Leidenschaft, so glaubte sie zumindest.

Als ich ihr zuhörte sah ich, wie sich eine steinerne Mauer aus Scham um sie herum aufbaute. Dahinter saß sie, einsam und isoliert und fragte sich, was mit ihr nicht stimmte. Warum war sie mit ihrer neugierigen Art nicht willkommen? Was war an ihr bloß falsch? Schließlich erfuhr sie ähnlich harten Gegenwind, wenn sie ihren Freunden und der Familie von ihren Träumen erzählte und wie sie diesen näher kommen würde. „So kannst du das nicht machen“ oder „das wird nicht funktionieren“ und „so einfach, wie du dir das vorstellst ist es nicht“.

Die Scham-Mauer hatte Nina inzwischen fest umschlossen und sie schien in sich gekehrt.

Sie wollte herausfinden, womit sie die Menschen um sich herum so stark triggerte und was sie ändern könne, damit sie doch noch Hoffnung auf einen Platz in dieser Welt hat.

Ich spürte, dass sie auf der Suche nach einem schrecklichen Monster in sich war; einem inakzeptablen Biest, das zur Raison gebracht werden musste.

Ich schlug ihr vor die Möglichkeit mit einzubeziehen, dass es kein Biest ist, sondern ihre Unschuld und ihre aufrichtige Liebe zur Sache, die andere Menschen so stark triggerte.

Und hier kommt die Sache, die ich gerne mit euch allen teilen möchte:

Nur weil wir andere triggern heißt das im Umkehrschluss nicht, dass mit uns etwas verkehrt ist oder das wir etwas falsch machen. Manchmal ist es unsere Lebendigkeit und unsere unverfälschte Lebenslust, die andere nicht ertragen können. Menschen, die ihre eigene Kreativität unterdrücken, tun das häufig automatisch auch bei anderen Menschen. Sie müssen es beim Gegenüber abwehren, weil sie sich selbst nicht erlauben richtig zu leben. Und von diesen Corporate-Roboter-Menschen, wie ich sie gerne nenne, gibt es eine ganze Menge.

Mir persönlich hilft es, bewusst hinzuschauen, wer mich da kritisiert. Ist die Person in ihrer Lebensweise ein Vorbild für mich? Inspiriert sie mich? Oder sind die Gedanken und Sätze die aus ihr herauskommen viel mehr ein Zeugnis ihrer eigenen Abgestumpftheit, Unsicherheit oder Angst?

Wenn letzteres der Fall ist, fällt es doch leicht die Kritik Kritik sein zu lassen, oder?

Nina hatte ihre Antwort in der Zwischenzeit gefunden. Sie spürte tief in sich, dass sie von Herzen handelte und traute sich sogar ihre Kommilitonen in Frage zu stellen. Sie konnte jetzt sehen, dass es einen Platz für sie in der Welt gab und nahm sich vor mehr auf die Menschen zu blicken, die sie selbst inspirierend fand.

Wohin schaust du?

Von Herz zu Herz

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