Wahrhaftigkeit oder Scheinfrieden - was wählst du?

Wahrhaftigkeit oder Scheinfrieden - was wählst du?

Neulich schrieb ich folgende Zeilen in mein Tagebuch:

Wahrhaftigkeit ist nicht gefällig.
Wahrhaftigkeit ist so ungefällig, dass die meisten Menschen Angst vor ihr haben.
Bleibt nur noch die Frage offen, was mir wichtiger ist:
Anderen gefallen oder mir selbst treu bleiben?

Den größeren Teil meines Lebens habe ich mich unbewusst dafür entschieden, mich für andere zu verbiegen. Selbsttreue gleich Zero! Ich war die Königin der Gefälligkeit und mir versagte die Stimme, wenn es an der Zeit war auszusprechen, was mir nicht passte. Zu groß war die Angst, dass meine Worte Konsequenzen haben könnten, die ich nicht überschauen kann.

Und genau das war das Problem: ich hatte Angst, die Kontrolle zu verlieren.

Was mich schließlich aufweckte war eine schwelende Depression, die mit jedem Jahr schleichend zunahm. Der äußere Frieden, den ich überall herstellte, wo ich hinkam, kostete mich schleichend den inneren Frieden.

Die Rechnung ging ungefähr so: „Je größer die Angst vor Ablehnung, Verlust und Einsamkeit, desto größer meine Verbiegungs-Akrobatik“.

Jahrelang spielte ich…

  • den Gute-Laune-Bären, wenn mir eigentlich zum Heulen war.
  • die aufopfernde Freundin, wenn ich selbst eine Schulter zum Anlehnen gebraucht hätte.
  • die liebe Tochter, obwohl ich stinksauer auf meine Eltern war.
  • die perfekte Liebhaberin, obwohl ich panische Angst vor echter Nähe hatte.
  • die starke Business-Frau, obwohl ich mich unsicher fühlte wie ein Schulmädchen.

Und so weiter…

Glücklicherweise ging diese Rechnung nicht auf. Denn je mehr ich ausgab jemand zu sein, der ich in diesem Moment nicht war, desto weniger fühlte ich mich mit mir und anderen verbunden. Und je einsamer ich mich fühlte, desto mehr strengte ich mich für Zugehörigkeit, Anerkennung und Liebe an. Und desto mehr ich mich anstrengte, desto weniger wollten mir andere davon geben. Und je weniger mir andere geben wollten, desto mehr glaubte ich es von ihnen zu brauchen. Ihr merkt schon - ein Teufelskreislauf!

Schließlich sah ich ein, dass der gefällige Weg nicht unbedingt zu mehr Verbundenheit führt.

Ich musste mich entscheiden: will ich Scheinfrieden im Außen schaffen und innerlich vor die Hunde gehen oder bin ich bereit diese verdammte Angst vor Ablehnung, Verlust und Einsamkeit zu spüren, die mich zu meiner Falschheit antrieb.

Ich entschied mich für die Angst.

Und das war nur der Anfang. Unter der Angst schlummerte der Schmerz über den tatsächlichen Verlust, die erlebte Ablehnung und die Einsamkeit, die ich bereits in meinem Leben erfahren hatte. Dazwischen drängten sich immer wieder Wellen von Wut und Hass – wahlweise auf die Menschen, die Welt oder mich selbst.

Wie schlau meine Psyche doch war! Sie hatte mir einen perfekt funktionierenden Schutzpanzer gebaut, damit ich diese ganze Scheiße, die jetzt hochkam nie wieder zu fühlen brauchte. Die Panzer-Strategie meiner Psyche hatte nur einen großen Haken: In dem Bemühen mich vor Ablehnung, Verlust und Einsamkeit zu beschützen, erlebte ich permanent genau diese Gefühle.

Doch wenn das Schützen vor unangenehmen Gefühlen nicht die Lösung ist, was dann?

Ich entdeckte den Weg der Annahme und fing an mich für diese ekelhaften, alten, modrigen Gefühle zu öffnen. Es machte Sinn, denn als ich den Teil in mir spürte, der sich einsam fühlte, war er es schon nicht mehr. Und als ich den Verlustschmerz zuließ, flüsterte er mir zu, dass er mich auch beim nächsten Mal nicht umbringen wird. Je mehr ich lernte das vermeintlich Unangenehme in mir zu lieben, desto mehr entwickelte sich auch Mitgefühl denen gegenüber, die es nicht konnten; die mich herabsetzten, verurteilten, nicht ernst nahmen oder ignorierten.

Und so entdeckte ich in dem Annehmen meiner eigenen Gefühle, die Freiheit ich selbst zu sein, auch wenn ich damit auf Ablehnung stoße.

Die Verlust-Angst ist zwar noch da – ich glaube das ist menschlich – aber sie bestimmt mich nicht mehr.

Wahrhaftigkeit ist nicht gefällig.
Wahrhaftigkeit ist so ungefällig, dass die meisten Menschen Angst vor ihr haben.
Bleibt nur noch die Frage offen, was mir wichtiger ist:
Anderen gefallen oder mir selbst treu bleiben?

Was ist deine Antwort?

Von Herz zu Herz,


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